Nov 13

Vier Freunde

Natürlich überschlagen sich die Medien dieser Tage vor Freude angesichts spektakulärer Nachrichten aus Italien: Silvio Berlusconi, berüchtigter anti-Demokrat mit Faible für minderjährige Gespielinnen, ist abgetreten. Weder Sex-Skandal noch Korruption, weder Kumpanei mit Gaddafi noch sein Einfluss auf die freie Presse konnten Berlusconi etwas anhaben. Erst die Weltwirtschaftskrise versetzte unserem Erzfeind-Freund den finalen Stoß. In Brüssel scherzte man schon, das so der Kollaps unseres Wirtschaftssystems zumindest eine gute Seite habe. Bis diese Woche erste Gerüchte aufkamen, dass Berlusconi schon bald eine Rückkehr an die Macht plane. Ganz im Stile seines russischen Idols Vladimir Putin.

In der “Welt” heißt es heute, Berlusconi habe in einem Schreiben an seine Partei La Destra bereits die Rückkehr ins Zentrum der Macht angekündigt: „Ich teile Ihre Überzeugungen und hoffe, dass wir erneut gemeinsam den Weg zur Regierung beschreiten werden“, zitiert die “Welt” Berlusconi. Merken Sie sich in diesem Zusammenhang schon mal den Namen Angelino Alfano. Der wird nämlich von der Rechten als Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten ins Spiel gebracht uns ist für Berlusconi so etwas wie der ideologische kleine Bruder. Der Medwedew für den Putin Italiens sozusagen.

Das Szenario ist durchaus realistisch, obwohl Herr Berlusconis Popularität in der Bevölkerung mächtig gesunken ist. Denn seine Gegner sind nach wie vor zerstritten; dass die Union der Christdemokraten, die Zentrumsdemokraten, die Mitte-Links-Partei und die radikale Linke eine funktionierende Koalition gegen Berlusconi bilden, ist mehr als unwahrscheinlich. Darüber hinaus wird Berlusconi auf ein Argument zurückgreifen, das er in der Vergangenheit bereits erfolgreich genutzt hat: Dass die Krise nicht seine Schuld sei, sondern das Werk von Verrätern in den eigenen Reihen. Entsprechende Worte fand der ehemalige Alleinherrscher Italiens bereits bei einer Rede in dieser Woche, als er von den drei “Verrätern” in der eigenen Partei sprach, die gegen ihn stimmten. Das ist mehr als nur reine rhetorische Taktik: Berlusconi fühlt sich in der Tat verraten und verkauft. Die Frage ist, ob die italienischen Wähler ihm diese merkwürdige Logik abkaufen.

 

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