Nov 25
Protesters at Al Tahrir square

Foto: Kodak Agfa

Tausende  Menschen bevölkern in diesen Stunden aufs Neue den Tahrir-Platz im Zentrum Kairos. Wie schon während des “arabischen Frühlings” vor einigen Monaten fordern sie Reformen für ihr Land und den Rückzug des Militärs, sowohl aus der Regierung wie auch aus dem Alltag. Seit mehr als einer Woche dauern die Proteste gegen den aus 24 Generälen bestehenden Militärstab an, immerhin wurden bereits einige Zugeständnisse gegenüber den Demonstranten gemacht. So sicherte einer der Militärs, Mohammed Hussein Tantawi, zu, dass spätestens im Juni 2012 freie, zivile Wahlen stattfinden würden.

Dennoch zeigten viele Demonstranten ihren Unmut über verfehlte Reformen und besonders über die wiederholten Gewaltausbrüche, die von Sicherheitskräften provoziert wurden. Nachdem die Armee die Demonstrationen anfangs nur beobachtet hatte, wurde ab Donnerstag morgen Ernst gemacht: Soldaten versuchten den Platz mit Schlagstöcken und Tränengas zu räumen. Barrieren wurden errichtet und Demonstranten gewaltsam vertrieben. In einer verrückten Pressekonferenz, während derer sich zwei Generäle und mehrere Reporter wild anschrieen, lehnte die militärische Führung jede Verantwortung für die Gewalt ab. Auch bestritten sie Vorwürfe, Demonstranten seien von den Sicherheitskräften gefoltert worden.

Für das Militär waren die letzten Wochen ein Abstieg ohnegleichen, denn noch während der Protests im Frühjahr hatten sich Soldaten mit Demonstranten verbündet, um gemeinsam die Abdankung Mubaraks zu fordern. Jetzt aber heisst es in einem Bericht von Amnesty International, das Militär habe die Methoden Mubaraks übernommen und versuche so, seine vorübergehende Macht zu zementieren und sich auf Dauer an die Spitze des Landes zu setzen. Wie es scheint, wird sich die ägyptische Bevölkerung darauf nicht einlassen – für heute wird ein weiterer Showdown in der noch jungen Geschichte des neuen Ägypten erwartet.

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