In den Wissenschaften gab es immer schon ein ungeschriebenes Gesetz, das besagte, Ergebnisse einer Forschungsarbeit in jedem Fall zu veröffentlichen und sich erst anschließend um die Folgen zu kümmern. Streng nach dem Maxim “Wissen ist Macht” wurde so alles in die Hände der Menschheit übergeben, was in den Laboren und Forschungsstationen dieser Welt entwickelt wurde. Jetzt aber scheint es einen Fall zu geben, bei dem es sich lohnen würde, dieses Gesetz gründlich zu überdenken. Sollte das nicht passieren, könnte schon bald ein Rezept für ein Desaster frei verfügbar im Internet herum schwirren.
Im Erasmus Medical Center in Rotterdam hat ein Team von Wissenschaftlern um Ron Fouchier jetzt einen Ableger der Vogelgrippe entwickelt, der extrem leicht von Mensch auf Mensch übergreifen kann und sich zudem noch mit einfachsten Methoden herstellen lässt. Fouchier selbst nannte sein Produkt “den vielleicht gefährlichsten Virus, den man herstellen kann. Ich kenne keinen pathogenen Organismus, der erschreckender ist.” Fouchier und Yoshihiro Kawaoka von der US-Universität Wisconsin wollen die entsprechenden Resultate demnächst veröffentlichen, damit Wissenschaftler schnell entsprechende Gegenmittel entwickeln können, für den Fall, dass ein solcher Virus eines Tages in der freien Natur auftauchen sollte.
Andererseits könnten die Forschungsergebnisse natürlich auch zu anderen Zwecken benutzt werden, vor allem zur Herstellung und Verbreitung des Virus. Im Fachmagazin Science brach jetzt eine Diskussion zu dem Thema aus. Viele Wissenschaftler argumentierten, dass entsprechende Ergebnisse niemals veröffentlicht werden dürften. Gegenstimmen argumentierten, man könne mit dem selben Grundsatz auch Flugzeuge und Messer verbieten. Das ist natürlich bestenfalls irreführend. Denn gegen Messer kann man sich verteidigen und ein Flugzeug kontrollieren. Ein Virus allerdings überfällt sein Opfer meist unbemerkt. Es steht noch nicht fest, welche Entscheidung am Ende getroffen wird, bis jetzt stehen die Zeichen auf Veröffentlichung.
